Wie viele Bienenarten gibt es?

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Auf der Erde existieren schätzungsweise über 20’000 verschiedene Bienenarten – eine Vielfalt, die weit über die bekannte Honigbiene hinausgeht und selbst viele naturverbundene Menschen überrascht. Diese beeindruckende Artenvielfalt umfasst nicht nur Honigbienen, sondern vor allem Wildbienen und Hummeln, die jeweils einzigartige ökologische Funktionen erfüllen und unterschiedliche Lebensräume besiedeln. Jede Art hat sich über Millionen von Jahren an spezifische Umweltbedingungen angepasst und trägt auf ihre Weise zum Erhalt der Ökosysteme bei.

Das Verständnis dieser enormen Diversität bildet die Grundlage für wirksamen Bienenschutz. Wer die Vielfalt der Bienen kennt, erkennt auch die Notwendigkeit, nicht nur einzelne Arten, sondern ganze Artengemeinschaften zu schützen. Die Frage nach der Anzahl der Bienenarten öffnet den Blick für ein faszinierendes und zugleich schützenswertes Universum kleiner Bestäuber, deren Bedeutung für Mensch und Natur kaum überschätzt werden kann.

Die globale Vielfalt der Bienen

Weltweit werden zwischen 20’000 und 25’000 Bienenarten geschätzt, die sich auf sieben Hauptfamilien verteilen und nahezu jeden Lebensraum auf der Erde besiedeln – von tropischen Regenwäldern über Wüstenregionen bis hin zu alpinen Höhenlagen. Diese Arten unterscheiden sich erheblich in Grösse, Körperbau, Verhalten und Lebensweise: Manche messen nur wenige Millimeter, andere erreichen über drei Zentimeter Länge. Die Nistgewohnheiten reichen von unterirdischen Erdnestern über Hohlräume in totem Holz bis hin zu kunstvoll gebauten Wachswaben.

Diese Vielfalt ist das Ergebnis von Millionen Jahren evolutionärer Anpassung an unterschiedlichste klimatische Bedingungen, Pflanzengemeinschaften und ökologische Nischen. Jede Bienenart hat spezifische Vorlieben entwickelt – sei es bei der Wahl der Nahrungspflanzen, der Nistplätze oder der Flugzeiten. Diese Anpassungsfähigkeit ermöglicht es Bienen, nahezu alle terrestrischen Ökosysteme zu besiedeln und dort ihre unverzichtbare Rolle als Bestäuber zu erfüllen.

Bienenvielfalt in Europa und der Schweiz

In Europa sind rund 2’000 Bienenarten heimisch, die von mediterranen Küstenregionen bis in skandinavische Breiten vorkommen und eine bemerkenswerte Bandbreite an Anpassungen zeigen. Die Schweiz beherbergt trotz ihrer vergleichsweise kleinen Fläche etwa 600 verschiedene Bienenarten – ein Reichtum, der auf die vielfältigen Landschaften zwischen Alpengipfeln, Mittelland und Jurahöhen zurückzuführen ist. Diese topografische und klimatische Vielfalt schafft unterschiedlichste Lebensräume, die zahlreichen spezialisierten Arten Raum bieten.

Der weitaus grösste Teil dieser 600 Arten sind Wildbienen, während die Honigbiene lediglich eine einzige Art darstellt. Diese Tatsache verdeutlicht, wie stark das öffentliche Bild von Bienen von einer einzigen, domestizierten Art geprägt ist, während die tatsächliche Diversität hauptsächlich aus wildlebenden, oft wenig bekannten Arten besteht. Die Schweizer Bienenfauna profitiert von naturnahen Flächen, blütenreichen Wiesen und strukturreichen Landschaften, die jedoch zunehmend unter Druck geraten.

Honigbienen, Wildbienen und Hummeln – die Hauptgruppen

Wenn von Bienen die Rede ist, denken die meisten Menschen zuerst an Honigbienen – dabei repräsentieren diese nur einen winzigen Bruchteil der tatsächlichen Bienenwelt. Die grosse Mehrheit der Arten gehört zu den Wildbienen, während Hummeln eine besondere Untergruppe darstellen. Diese drei Hauptgruppen unterscheiden sich grundlegend in ihrer Lebensweise und ihren Merkmalen:

  • Honigbienen sind sozial lebende, domestizierte Insekten, die in grossen Völkern mit bis zu 50’000 Individuen zusammenleben. Weltweit existieren nur etwa neun Honigbienenarten, von denen die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) in Europa am bekanntesten ist. Sie werden seit Jahrtausenden von Menschen gehalten und produzieren Honig als Wintervorrat für das gesamte Volk.
  • Wildbienen bilden mit mehreren tausend Arten die weitaus grösste und vielfältigste Gruppe. Die meisten von ihnen leben solitär, also einzelgängerisch, und bauen keine Staaten. Sie zeigen eine erstaunliche Bandbreite an Formen, Grössen und Lebensweisen – von winzigen Sandbienen bis zu kräftigen Pelzbienen. Im Gegensatz zu Honigbienen produzieren sie keinen Honig für menschliche Nutzung.
  • Hummeln sind ebenfalls Wildbienen, leben jedoch sozial in kleineren Kolonien von meist 50 bis 600 Tieren. Sie sind besonders an kühlere Klimazonen angepasst und können dank ihrer Körperbehaarung und Thermogenese auch bei niedrigen Temperaturen fliegen. Weltweit gibt es etwa 250 Hummelarten, die sich durch ihren kompakten, pelzigen Körperbau auszeichnen.

Solitäre Wildbienen – die stillen Einzelgänger

Etwa 90 Prozent aller Wildbienenarten leben solitär – sie bilden keine Staaten und jedes Weibchen sorgt eigenständig für die Aufzucht ihrer Nachkommen. Nach der Paarung sucht das Weibchen einen geeigneten Nistplatz, der je nach Art sehr unterschiedlich ausfallen kann: Viele Arten graben Gänge in sandigen oder lehmigen Boden, andere nutzen vorhandene Hohlräume in Totholz, hohlen Pflanzenstängeln oder Trockenmauern. Das Weibchen legt in jede Brutzelle ein Ei und versorgt diese mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar, bevor sie die Zelle verschliesst. Danach kümmert sich die Mutter nicht weiter um ihre Brut – die Larven entwickeln sich selbstständig und schlüpfen erst im folgenden Jahr als erwachsene Bienen.

Diese eigenständige Lebensweise macht solitäre Wildbienen zu besonders effizienten Bestäubern, da sie intensiv Pollen sammeln müssen, um jede einzelne Brutzelle zu versorgen. Dabei transportieren sie deutlich mehr Pollen an ihrem Körper als Honigbienen, die den Pollen in speziellen Körbchen sammeln. Viele solitäre Arten sind auf bestimmte Pflanzenarten spezialisiert und fliegen gezielt deren Blüten an, was sie zu unverzichtbaren Partnern für zahlreiche Wildpflanzen macht.

Soziale Bienen – Leben im Kollektiv

Nur ein kleiner Teil der Bienenarten lebt sozial in organisierten Gemeinschaften – dazu gehören alle Honigbienen, Hummeln und einige Furchenbienen- sowie Schmalbienen-arten. In diesen Völkern herrscht eine klare Arbeitsteilung: Eine Königin ist für die Eiablage zuständig, während zahlreiche Arbeiterinnen alle anderen Aufgaben übernehmen – von der Brutpflege über den Nestbau bis zur Nahrungsbeschaffung. Bei Honigbienen können diese Kolonien mehrjährig bestehen und über den Winter hinweg überleben, während Hummelvölker meist nur eine Saison lang existieren und im Herbst bis auf die begatteten Jungköniginnen absterben.

Die soziale Organisation ermöglicht eine hocheffiziente Ressourcennutzung und Brutpflege, weshalb soziale Bienen oft als besonders erfolgreiche Bestäuber wahrgenommen werden. Ihre Völker sind gut untersucht und durch ihre Grösse sowie ihr auffälliges Verhalten leicht zu beobachten, was sie zum bekanntesten Gesicht der Bienenwelt macht – obwohl sie zahlenmässig deutlich in der Minderheit sind.

Warum diese Artenvielfalt so wichtig ist

Die grosse Vielfalt an Bienenarten bildet ein robustes und anpassungsfähiges Bestäubungsnetzwerk, das weit stabiler funktioniert als die Arbeit einzelner Arten allein. Verschiedene Bienenarten sind auf unterschiedliche Pflanzen spezialisiert, fliegen zu verschiedenen Tageszeiten und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen – während manche bereits bei kühlen Temperaturen im Frühling aktiv werden, bevorzugen andere die Wärme des Hochsommers. Diese zeitliche und ökologische Staffelung garantiert, dass nahezu jede Blüte zur richtigen Zeit von der passenden Bestäuberart besucht wird. Wenn eine Art aufgrund ungünstiger Bedingungen ausfällt, können andere einspringen und die Lücke teilweise schliessen.

Diese Biodiversität sichert nicht nur die Fortpflanzung unzähliger Wildpflanzen, sondern auch die Erträge in der Landwirtschaft und damit die Ernährungssicherheit. Ein vielfältiges Bestäubernetzwerk reagiert flexibler auf Umweltveränderungen und bleibt auch unter Stress funktionsfähig – sei es durch Wetterextreme, Krankheiten oder veränderte Lebensräume. Die Artenvielfalt der Bienen ist somit keine biologische Randnotiz, sondern eine fundamentale Voraussetzung für stabile Ökosysteme und eine gesicherte Nahrungsmittelproduktion weltweit.

Bedrohung der Artenvielfalt – wie viele sind gefährdet?

Die Realität ist ernüchternd: In der Schweiz gelten rund 45 Prozent aller Wildbienenarten als gefährdet oder potenziell gefährdet, in anderen europäischen Ländern zeigt sich ein ähnlich besorgniserregendes Bild. Viele Arten stehen auf Roten Listen und ihr Bestand nimmt kontinuierlich ab – manche sind bereits regional ausgestorben oder auf winzige Restvorkommen beschränkt. Die Hauptursachen liegen im Verlust geeigneter Lebensräume durch intensive Landwirtschaft und Flächenversiegelung, im Einsatz von Pestiziden sowie in den Folgen des Klimawandels, der Blühzeiten verschiebt und Lebensräume verändert.

Besonders betroffen sind spezialisierte Arten, die auf bestimmte Pflanzen oder Nistplätze angewiesen sind und nicht einfach auf Alternativen ausweichen können. Während häufige, anpassungsfähige Arten noch relativ stabil vorkommen, verschwinden seltene und anspruchsvolle Bienenarten oft unbemerkt aus der Landschaft. Diese schleichende Verarmung der Artenvielfalt gefährdet langfristig die Funktionsfähigkeit ganzer Ökosysteme – doch es gibt Handlungsmöglichkeiten, um diesem Trend entgegenzuwirken.

Jede Art zählt – wie man Bienen schützen kann

Der Schutz der Bienenvielfalt beginnt im eigenen Umfeld und jede einzelne Massnahme trägt dazu bei, Lebensräume zu erhalten und zu schaffen. Ob im Garten, auf dem Balkon oder in der Gemeinde – es gibt zahlreiche konkrete Schritte, die Menschen ergreifen können, um das gesamte Spektrum der Bienenarten zu unterstützen:

  • Einheimische Wildblumen pflanzen: Artenreiche Blühflächen mit einheimischen Pflanzen bieten Nahrung für verschiedene Bienenarten über die gesamte Saison hinweg. Besonders wertvoll sind Wildblumenmischungen, die früh-, mittel- und spätblühende Arten kombinieren.
  • Nistplätze schaffen: Offene Bodenstellen, Totholzhaufen, markhaltige Pflanzenstängel und Trockenmauern bieten Nistmöglichkeiten für verschiedene Wildbienenarten. Auch Wildbienen-Hotels können hilfreich sein, wenn sie fachgerecht gebaut und platziert werden.
  • Auf Pestizide verzichten: Der Verzicht auf chemische Schädlingsbekämpfungsmittel schützt Bienen direkt und erhält ihre Nahrungsgrundlage. Natürliche Alternativen und eine gewisse Toleranz gegenüber «Unkräutern» fördern die Artenvielfalt im Garten.
  • Naturnahe Flächen erhalten: Ungemähte Ecken, wilde Hecken und strukturreiche Bereiche im Garten oder in der Umgebung bieten Rückzugsräume und Nistplätze für zahlreiche Arten.
  • Lokale Imkerei unterstützen: Der Kauf von regionalem Honig fördert eine bienenfreundliche Bewirtschaftung und sensibilisiert für das Thema Bienenschutz – auch wenn Honigbienen nur einen kleinen Teil der Bienenwelt ausmachen.
  • Bewusstsein schaffen: Wissen über Bienenvielfalt weitergeben, andere inspirieren und sich für bienenfreundliche Massnahmen in der Gemeinde einsetzen verstärkt die Wirkung des Einzelnen.

Diese Massnahmen mögen klein erscheinen, doch in ihrer Summe schaffen sie ein Mosaik an Lebensräumen, das der gesamten Bienenvielfalt zugutekommt. Jede geschützte Fläche, jede gepflanzte Blume und jeder Verzicht auf Gifte macht einen Unterschied – und gemeinsam können diese individuellen Beiträge eine Trendwende für die Artenvielfalt bewirken.

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