Dunkle Biene, Buckfast & Co. – Bienenrassen im Vergleich

Dunkle Biene, Buckfast & Co. – Bienenrassen im Vergleich

Einleitung

Die Welt der Honigbienen ist weit vielfältiger, als viele Menschen vermuten. Hinter dem Begriff „Biene“ verbergen sich zahlreiche Rassen und Unterarten mit unterschiedlichen Charaktereigenschaften, Stärken und Anpassungen an regionale Klimabedingungen. Ob die robuste dunkle Biene, die beliebte Buckfast-Biene oder exotische Arten wie die afrikanische Honigbiene, die chinesische Biene oder die japanische Honigbiene – jede Rasse hat ihre eigene Geschichte, ihre besonderen Vorzuege und Herausforderungen. Dieser Artikel gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die wichtigsten Bienenrassen weltweit und beantwortet häufige Fragen rund um die dunkle Biene.

Das Wissen um die Eigenschaften und Bedürfnisse verschiedener Bienenrassen ist nicht nur für Imkerinnen und Imker von Bedeutung. Es ist auch eine Frage des Naturschutzes, der Artenvielfalt und der Resilienz unserer landwirtschaftlichen Ökosysteme. Wer die Unterschiede kennt, kann gezielter schützen, fördern und nachhaltig imkern.

Dunkle Biene, Buckfast & Co. – Bienenrassen im Vergleich

Ist die Dunkle Biene in Deutschland selten?

Die Geschichte der Dunklen Biene (Apis mellifera mellifera)

Die dunkle Biene, auch Europäische Dunkelbiene oder Schwarze Biene genannt, ist die ursprüngliche Honigbienenrasse Mittel- und Nordeuropas. Wissenschaftlich wird sie als Apis mellifera mellifera klassifiziert. Sie war einst die dominierende Bienenrasse im gesamten nördlichen Europa, von den britischen Inseln über Deutschland, die Schweiz und Österreich bis nach Skandinavien.

Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts begann die Imkerschaft zunehmend südliche Rassen wie die Ligustica-Biene sowie Hybridrassen wie die Buckfast-Biene zu bevorzugen. Diese galten als sanftmütiger, produktiver und leichter zu handhaben. Als Folge davon verdrängten gezielte Zucht und unkontrollierte Kreuzungen die dunkle Biene nahezu vollständig aus ihren natürlichen Verbreitungsgebieten.

Heute ist die dunkle Biene in Deutschland tatsächlich sehr selten. In vielen Regionen ist sie nahezu ausgestorben, und reinrassige Populationen existieren nur noch in isolierten Schutzgebieten oder bei spezialisierten Züchtern, die sich aktiv für ihren Erhalt einsetzen. Verschiedene Schutzorganisationen, wie die Gesellschaft zur Erhaltung der Dunklen Biene e.V. (GEMDN), arbeiten intensiv daran, diese bedrohte Unterart zu bewahren und ihre genetische Vielfalt zu sichern.

Besonderheiten und Vorteile der Dunklen Biene

Die dunkle Biene ist bestens an das raue Klima Mittel- und Nordeuropas angepasst. Sie ist außergewöhnlich winterhart, sparsam im Futterverbrauch und kann auch bei küh lem, feuchtem Wetter früher ausfliegen als südliche Rassen – Eigenschaften, die für das mitteleuropäische Klima von unschätzbarem Wert sind. Zudem verfügt die dunkle Biene über eine natürliche Widerstands kraft gegenüber bestimmten Krankheiten und Parasiten.

Imkerinnen und Imker, die mit der dunklen Biene arbeiten, schätzen besonders ihre ausgeprägte Schwarmtreue und ihre Fähigkeit, auch in wirtschaftlich schwachen Trachtenzeiten sparsam zu wirtschaften. Ihr vermeintlich defensiveres Verhalten gegenüber modernen Züchtungen ist häufig ein natürliches Schutzverhalten, das sich in traditionellen Imkermethoden gut handhaben lässt.

Welche Biene ist ganz schwarz?

Merkmale und Erscheinungsbild der Dunklen Biene

Die dunkle Biene ist bekannt für ihre charakteristische, nahezu schwarze Körperfärbung. Während andere europäische Bienenrassen oft gelbe oder braune Bänderungen aufweisen, besitzt Apis mellifera mellifera eine überwiegend dunkelbraune bis schwarze Pigmentierung. Die hellen Binden auf dem Hinterleib sind kaum oder nur sehr schwach ausgeprägt. Auch ihre Körperbehaarung ist dichter und dunkler als bei südlichen Unterarten.

Diese dunkle Färbung ist kein bloßes Ästhetikum: Sie ist das Ergebnis einer langen Anpassung an nordische Klimabedingungen. Die dunklere Pigmentierung hilft dabei, Wärme aus der Sonnenstrahlung effektiver aufzunehmen – ein klarer Vorteil in den kühleren, lichtärmeren Sommern Nordeuropas.

Neben der dunklen Biene gibt es weitere Bienenarten, die als auffallend dunkel oder nahezu schwarz gelten. Dazu zählen bestimmte Populationen der afrikanischen Biene sowie einzelne Wildbienenarten wie die Holzbiene (Xylocopa violacea), die in Mitteleuropa heimisch ist und aufgrund ihrer tief schwarzen, teils blau schimmernden Färbung häufig mit anderen Bienenarten verwechselt wird.

Die wichtigsten Bienenrassen im Überblick

Die Buckfast-Biene: Züchterisches Meisterwerk

Die Buckfast-Biene ist keine natürliche Unterart, sondern eine künstlich gezüchtete Hybridrasse, die im frühen 20. Jahrhundert vom Mönch und Imker Bruder Adam in der Buckfast Abbey in England entwickelt wurde. Ziel war es, eine Biene zu züchten, die Resistenz gegen die Tracheenmilbe aufwies, gleichzeitig sanftmütig war und hohe Honigerträge lieferte.

Die Buckfast-Biene vereint Eigenschaften verschiedener Rassen, darunter die Ligustica-Biene, die dunkle Biene und weitere mediterrane sowie afrikanische Unterarten. Ihre wichtigsten Merkmale sind:

  • Sehr geringer Schwarmtrieb, was die Bienenhaltung erheblich vereinfacht
  • Hohe Produktivität und ausgezeichnete Honigleistung auch in wechselhaften Trachtlagen
  • Sanftmütiges und gut handelbares Verhalten – ideal für Hobbyimker und Einsteiger
  • Gute Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Klimabedingungen und Landschaften

Die Buckfast-Biene ist heute in Deutschland und der deutschsprachigen Schweiz außerordentlich verbreitet und gilt bei vielen Imkern als erste Wahl. Allerdings birgt ihre Verbreitung auch Risiken für reinrassige Populationen wie die dunkle Biene, da Kreuzungen die genetische Integrität bedrohter Unterarten gefährden können.

Die Ligustica-Biene: Klassische Imkerbiene aus dem Süden

Die Apis mellifera ligustica, gemeinhin als Ligustica-Biene oder Italienische Biene bezeichnet, stammt ursprünglich aus Norditalien. Sie zählt weltweit zu den am häufigsten gehaltenen Bienenrassen und ist insbesondere in gemäßigten Klimazonen außerordentlich beliebt.

Die Ligustica-Biene ist an ihrer leuchtend gelben bis goldgelben Hinterleibsfärbung leicht erkennbar – ein deutlicher Kontrast zur dunklen Biene. Sie ist außerordentlich sanftmütig, sehr produktiv und neigt kaum zum Schwärmen. Ihre Schwäche liegt in kühleren Klimaregionen: Sie tendiert zu einem zu raschen Volkswachstum im Frühjahr und verbraucht entsprechend viel Futter, was in langen Wintern zum Problem werden kann.

Die Afrikanische Biene und die Afrikanische Honigbiene

Afrikanische Honigbiene (Apis mellifera scutellata)

Die afrikanische Honigbiene (Apis mellifera scutellata) ist eine Unterart der westlichen Honigbiene, die ursprünglich in den Savannenregionen Ost- und Südafrikas beheimatet ist. Sie ist bekannt für ihre außergewöhnliche Agilität, ihre hohe Schwarmhäufigkeit und ihre intensive Verteidigung des Volkes.

Die afrikanische Biene ist nicht grundsätzlich aggressiver als europäische Rassen – sie reagiert jedoch empfindlicher auf Störungen und mobilisiert bei Bedrohung schneller und in größerer Zahl. Diese Eigenschaften haben in der Imkerpraxis Afrikas eine jahrtausendealte Tradition: Die Bienen waren über Generationen an ein Leben in einer Welt voller natürlicher Feinde angepasst.

Die „Killerbiene“ – Mythos und Wirklichkeit

In den 1950er Jahren wurde in Brasilien versucht, durch Kreuzung der afrikanischen Honigbiene mit europäischen Rassen eine produktivere Biene für tropische Klimabedingungen zu züchten. Als einige der afrikanischen Königinnen entkamen und sich in freier Wildbahn mit europäischen Bienen kreuzten, entstand die sogenannte Afrikanisierte Honigbiene – populär als „Killerbiene“ bekannt.

Diese Hybride hat sich über Südamerika bis in den Süden der USA verbreitet und ist für ihre extreme Verteidigungsbereitschaft bekannt. Für die europäische Imkerei spielt sie keine direkte Rolle, doch als globales ökologisches Phänomen ist sie von erheblicher wissenschaftlicher Bedeutung.

Die Chinesische Biene (Apis cerana cerana)

Die chinesische Biene, auch Östliche Honigbiene (Apis cerana) genannt, ist eine eigenständige Honigbienenart, die in weiten Teilen Asiens heimisch ist. Sie unterscheidet sich von der westlichen Honigbiene (Apis mellifera) deutlich in Verhalten, Anatomie und Ökologie.

Die chinesische Biene ist kleiner als die europäische Honigbiene, baut kleinere Völker und produziert in der Regel weniger Honig. Dafür verfügt sie über bemerkenswerte Fähigkeiten: Sie erkennt Hornissen bereits auf größere Entfernung, reagiert mit kollektivem Abwehrverhalten und ist besser an das regionale Ökosystem Asiens angepasst. Besonders bemerkenswert ist die chinesische Biene für ihre natürliche Resistenz gegenüber der Varroa-Milbe – einem Parasiten, der westliche Honigbienen weltweit bedroht.

In China wird die chinesische Biene traditionell in der Imkerei genutzt, jedoch zunehmend durch die produktivere westliche Honigbiene verdrängt, was zum Rückgang lokaler, angepasster Bienenpopulationen führt und Fragen des Artenschutzes aufwirft.

Die Japanische Honigbiene (Apis cerana japonica)

Die japanische Honigbiene (Apis cerana japonica) ist eine Unterart der Östlichen Honigbiene und in Japan endemisch. Sie ist für ihre beeindruckende Verteidigungsstrategie gegen den Japanischen Riesenhörnissen (Vespa mandarinia) weltbekannt.

Wenn ein Riesenhörniss den Stock ausspioniert, lassen die Bienen ihn ins Innere und umschließen ihn dann in einer dichten „Bienenkugel“. Durch kollektives Zittern erhitzen sie die Kugel auf über 46 Grad Celsius – eine Temperatur, die für den Hörniss tödlich ist, während die Bienen selbst diese Hitze überleben können. Dieses faszinierende Abwehrverhalten macht die japanische Honigbiene zu einem hochinteressanten Forschungsobjekt für Wissenschaft und Imkerei gleichermaßen.

In Japan wird die japanische Honigbiene traditionell gehalten und kulturell hochgeschätzt. Ihr Honig gilt als Delikatesse, und ihre Zucht ist Teil des immateriellen Kulturerbes ländlicher Gemeinschaften. Auch hier nimmt die Konkurrenz durch die westliche Honigbiene zu.

Die Australische Biene: Einwanderer und Ureinwohner

Australien beherbergt keine heimischen Honigbienen im klassischen Sinne: Die heute in der kommerziellen Imkerei gehaltenen Honigbienen sind europäische Einwanderer, die mit den ersten Siedlern im 18. und 19. Jahrhundert auf den Kontinent kamen. Vorwiegend handelt es sich um Ligustica-Bienen und Buckfast-Hybride, die für das australische Klima adaptiert wurden.

Australien besitzt jedoch eine einzigartige einheimische Bienenvielfalt: Die australischen Stingless Bees, zu denen Arten wie Tetragonula carbonaria gehören, sind stachellose Bienenarten, die von indigenen Gemeinschaften seit Jahrtausenden als Honiglieferanten genutzt werden. Ihr Honig, bekannt als „Sugarbag Honey“, hat einen charakteristisch säuerlichen Geschmack und gewinnt zunehmend an Beliebtheit als kulinarische Spezialität.

Die eingeführten europäischen Bienen spielen für die australische Landwirtschaft eine entscheidende Rolle als Bestäuber, stehen aber in einem fragilen Verhältnis zur einheimischen Fauna und Flora. Der Schutz nativer Bienenarten bleibt eine wichtige naturschutzfachliche Aufgabe.

Bienenrassen im direkten Vergleich

Stärken und Schwächen auf einen Blick

Jede Bienenrasse besitzt Eigenschaften, die sie für bestimmte Klimazonen und Imkereiformen besonders geeignet machen. Die dunkle Biene überzeugt mit Winterhärte und Anpassung an nordische Bedingungen. Die Buckfast-Biene punktet durch Sanftmut und hohe Produktivität. Die Ligustica-Biene ist ideal für warme Klimaregionen. Die afrikanische Honigbiene ist für tropische Bedingungen optimiert. Die chinesische und japanische Honigbiene sind einzigartig in ihrer Anpassung an das ostasiatische Ökosystem. Und die australische Imkerei baut auf europäischen Rassen auf, die neben faszinierenden einheimischen Stachellosen Bienen existieren.

Ein wichtiges Ergebnis dieses Vergleichs: Es gibt keine „beste“ Bienenrasse. Welche Rasse geeignet ist, hängt immer von Region, Klima, Imkerziel und dem jeweiligen ökologischen Kontext ab. Das Bewusstsein für diese Unterschiede ist die Grundlage für eine verantwortungsvolle und nachhaltige Bienenhaltung.

Schutz der Bienenvielfalt – Warum es auf jede Rasse ankommt

Genetische Vielfalt als Schutzschild

Die genetische Vielfalt unter Bienenrassen ist mehr als ein wissenschaftlich interessantes Phänomen – sie ist ein entscheidender Faktor für die Resilienz gegenüber neuen Krankheiten, Parasiten und klimatischen Veränderungen. Wenn einzelne Rassen wie die dunkle Biene verschwinden, gehen genetische Informationen verloren, die über Jahrtausende der natürlichen Selektion entstanden sind und möglicherweise in Zukunft entscheidend für die Anpassungsfähigkeit der Honigbiene insgesamt sein könnten.

Der Schutz der dunklen Biene, der chinesischen Biene, der japanischen Honigbiene und anderer regionaler Rassen ist daher keine romantische Nostalgie, sondern eine zukunftsgerichtete Investition in die biologische Sicherheit unserer Ökosysteme und unserer Nahrungsmittelproduktion.

Was Imker und Naturschützer tun können

Wer aktiv zum Schutz bedrohter Bienenrassen beitragen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten. Imkerinnen und Imker können sich Erhaltungszuchtprogrammen anschließen, gezielt reinrassige Völker beziehen und bei der Wahl ihrer Rasse ökologische Gesichtspunkte berücksichtigen. Naturschutzorganisationen und wissenschaftliche Einrichtungen bieten Ausbildungen, Genbanken und Beratung an. Auch die Politik ist gefordert: Schutzgebiete für Reinzucht, strenge Regelungen zur Einfuhr gebietsfremder Rassen und Förderung der Imkereiforschung sind wichtige Bausteine.

Fazit: Vielfalt als Stärke der Bienenwelt

Die Vielfalt der Bienenrassen ist ein Schatz, den es zu bewahren gilt. Von der bedrohten dunklen Biene über die allgegenwärtige Buckfast-Biene und Ligustica-Biene bis hin zur faszinierenden japanischen Honigbiene und der chinesischen Biene – jede Rasse zeigt, wie eng Bienen mit ihrer Umwelt verbunden sind und wie sehr sie sich über Jahrtausende an lokale Bedingungen angepasst haben. Die afrikanische Biene und die australische Biene ergänzen dieses Bild zu einer weltumspannenden Geschichte der Ko-Evolution zwischen Mensch und Biene.

Der Schutz dieser Vielfalt ist nicht nur eine Frage des Naturschutzes, sondern auch eine Voraussetzung für die Resilienz der Imkerei angesichts von Klimawandel, Parasiten und verändernden Umweltbedingungen. Wer Bienen hält und schützt, trägt dazu bei, dass auch künftige Generationen von der Leistung dieser bemerkenswerten Insekten profitieren können – und dass die dunkle Biene nicht zu einem Relikt der Geschichte wird, sondern lebendig in den Wäldern und auf den Wiesen Mitteleuropas bleibt.

Weiterführende Literatur und Quellen

Ruttner, F. (1988). Biogeography and Taxonomy of Honeybees. Springer-Verlag, Berlin.

Seeley, T. D. (2010). Honeybee Democracy. Princeton University Press, Princeton, NJ.

Gould, J. L., & Gould, C. G. (1988). The Honey Bee. Scientific American Library, New York.

Brother Adam (1983). In Search of the Best Strains of Bees. Northern Bee Books, UK.

Gesellschaft zur Erhaltung der Dunklen Biene e.V. (GEMDN). Abgerufen von: https://www.dunkle-biene.com

Engel, M. S. (1999). The taxonomy of recent and fossil honey bees (Hymenoptera: Apidae: Apis). Journal of Hymenoptera Research, 8(2), 165–196.

Büchler, R. et al. (2014). The influence of genetic origin and its interaction with environmental effects on the survival of honeybee colonies in Europe. Journal of Apicultural Research, 53(2), 205–214.

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